Jalousie und Er

Jalousie und Er

2002 – Videoprojektion auf eine Jalousie, Dauer der Sequenz: 11'04 Minuten

Diese Arbeit war erstmals in der Ausstellung "Face to Face" in der Galerie Gabriele Rivet Köln vom 30. Oktober bis 21. Dezember 2002 zu sehen und wurde im Wechsel mit "Jalousie und sie" gezeigt. Die Galerie verfügt über eine räumliche Besonderheit: ein Fenster verbindet einen Raum mit dem Korridor. Die Innenwand der Galerie erscheint so als Außenwand eines Hauses. (Diese räumliche Absurdität entstand durch die Überdachung und räumliche Integrierung des ehemaligen Innenhofs des Hauses in die im Erdgeschoß liegende Galerie.) In der Fensteröffnung (1 m breit, 1,60 m hoch) hing während der Ausstellung eine weiße Jalousie aus PVC, die als Projektionsfläche diente. Aus dem Inneren des Raumes wurde ein Mann in realer Größe projiziert, der vom Gang aus betrachtet hinter der Jalousie zu aggieren schien.

Gedreht wurde das Video durch die Lamellen einer schwarzen Jalousie hindurch. Zunächst sind sie geschlossen, dann öffnet der Mann die Jalousie und wechselt seine Kleidung, telefoniert, trinkt Bier und verstellt ab und zu die Lamellen, zieht die Jalousie hoch und wieder runter. Die Strukturen von realer und projizierter Jalousie überlappen sich und sind kaum voneinander zu unterscheiden. Der Betrachter ist irritiert, denn es entsteht der Eindruck, als bewege sich manchmal die reale Jalousie. Die Videoarbeit ist vorwiegend ohne Ton, nur wenn der Mann die Jalousie berührt, hört man das Rascheln oder Quietschen der Jalousie. Damit wird nochmals die Jalousie als Schnittfläche betont, auf der sich projizierte/virtuelle und reale Bildwelt treffen.

Die Jalousie stellt eine regulierbare Barriere gegen unerwünschte (Ein-)Blicke dar, aber verstärkt dadurch natürlich nochmals die Neugierde. Der normle Blick wird zum Späher-Blick eines Voyeurs. Aber die betrachtete Person blickt zurück. Der Mann hinter der Jalousie fokusiert den Betrachter sogar mit Fernglas und Fotokamera.

Darsteller: Ingo Kukatz