Changing Room

Changing Room

2002 – Videoprojektion auf Vorhang und Plexiglas, Dauer der Sequenz: 16'12 Minuten

Diese Arbeit war erstmals auf der Art Cologne 02 am Stand der Galerie Gabriele Rivet Köln zu sehen. Der 5 Meter lange und 1,20 m breite Lagerraum auf dem Messestand war auf einer Seite mit einem weißen Vorhang und einer 40 cm hohen Plexiglasscheibe versehen. Im Inneren der Kabine standen ein Videobeamer und ein DVD-Player.

Die Messebesucher sahen von außen eine Projektion, die den Eindruck erweckte, als würde sich hinter dem Vorhang eine Frau an- und auskleiden. Ihre Bewegungen konnten nur schemenhaft erahnt werden, aber gerade das täuschte Unmittelbarkeit vor. Auf der unteren 40 cm hohen Plexiglasscheibe sah man ihre Beine und die herab fallenden Kleidungsstücke. Aus der Kabine drangen Bemerkungen wie: "Die Farbe steht mir aber gar nicht!", "Das macht mich dick!", "Dafür bin ich doch zu alt!" oder "Die Unterhose zeichnet sich ab". Kommentare, die viel über die Selbstreflektion der Frau verraten und ihre Körperwahrnehmung vor dem gnadenlosen Spiegel. Kommentare, die sich jedoch auch direkt an den Betrachter oder den Wartenden draußen zu richten scheinen und ihn, den Betrachter, zum Akteur der Szene und damit zum Bestandteil der Videoarbeit werden lässt.

"Changing Room" bedeutet Umkleidekabine, aber könnte auch mit "der sich verändernde Raum" übersetzt werden. Und so verwandelt die Projektion auch eine Türöffnung oder einen Lagerraum in eine Umkleidekabine und die Galerie oder die Kunstmesse werden zur Boutique oder zu einem Kaufhaus. Wer kennt nicht die Situation in oder vor Umkleidekabinen? Von außen betrachtet: kleine Bühnen mit Theatervorhängen, hinter denen sich das eigentlich Spannende zu ereignen scheint. Ein Wechselspiel von Verhüllung und Offenbarung, von Unsichtbarem und Sichtbarem. Am Ende verlässt die Frau frustriert die Kabine und eine andere Frau mit mehreren Kleidungsstücken beladen verschwindet hinter dem Vorhang.

Im Anschluß an die Präsentation auf der Art Cologne 02 war die Arbeit im Rahmen der Ausstellung "Face to Face" in der Galerie Gabriele Rivet Köln vom 30. Oktober bis 21. Dezember 2002 zu sehen

Darstellerinnen: Hilke Hillebrand und Kerstin Bergmann